Klärfälle

Überblick
Eine Fehlmenge im Gang ist keine Fehlermeldung, die man wegklickt. Sie bedeutet, dass jemand entscheiden muss: nachbestellen, teilliefern, den Kunden anrufen oder eine Inventurdifferenz buchen. Ohne einen Ort dafür bleibt sie im Kopf der Person, die gerade am Regal stand.
Der Klärfall ist dieser Ort. Er entsteht am Lagerplatz in Sekunden und hängt an Auftrag und Artikel — nicht an einem Postfach.
Ein Klärfall ist bewusst kein Ticket. Er kann eines nach sich ziehen, aber er ist keins: ein Ticket hat einen Absender, eine Konversation und eine Reaktionszeit; ein Klärfall hat einen Platz, eine Menge und eine Entscheidung.
Kernaufgaben
Offene Fälle sichten. Die Liste lässt sich nach Status (offen, erledigt), nach Grund und nach Auftrag filtern.
Den Grund lesen. Fünf Gründe, die aus der Kommissionierung kommen:
- Zu wenig gefunden — es lag etwas da, aber nicht genug.
- Nichts gefunden — der Platz ist leer, obwohl Bestand geführt ist.
- Beschädigt — die Ware ist da, aber nicht versandfähig.
- Abgelaufen — MHD überschritten oder unter der Restlaufzeit-Grenze, siehe
- Gestrichen — eine bewusste Entscheidung im Scan-Flow; die Position entfällt und der Auftrag
wird zur Teillieferung.
Auflösen. Der Fall wird mit einer Begründung geschlossen — einmalig. Ein zweiter Aufruf wäre eine stille Überschreibung dessen, was beim ersten Mal entschieden wurde.
Felder im Detail
Klärfälle entstehen von selbst — beim Kommissionieren, Packen oder Zählen, wenn die Wirklichkeit nicht zur Buchung passt. Einzugeben ist nur die Entscheidung.
| Feld | Pflicht | Werte / Format | Was es bewirkt |
|---|---|---|---|
Lösung resolution | ja | Text | Wie der Fall aufgelöst wird. Der Text bleibt am Fall stehen und ist bei wiederkehrenden Abweichungen die Spur, an der man das Muster erkennt — deshalb lohnt ein Satz statt „erledigt". |
Woraus ein Fall entsteht
| Angabe | Woher | Was sie bedeutet |
|---|---|---|
| Art | auslösende Handlung | Fehlmenge beim Kommissionieren, Abweichung beim Zählen, unerwarteter Artikel beim Packen. |
| Artikel und Platz | die Buchung | Wo es klemmt. |
| Erwartet gegen gefunden | Bestand gegen Zählung | Die Differenz, um die es geht. |
| Auslöser | Person und Zeitpunkt | Wer den Fall ausgelöst hat. Nicht zur Schuldzuweisung, sondern zur Rückfrage. |
Ein offener Klärfall hält den betroffenen Bestand fest, bis entschieden ist. Das ist gewollt: eine Menge, über die Uneinigkeit besteht, soll nicht weiterverkauft werden.
Einstellungen & Rechte
- Modul
module.wms. wms.pick.view— Klärfälle sehen und auflösen. Bewusst dasselbe Recht wie für die Picklisten:
wer über Lieferfähigkeit spricht, muss beides sehen.
- Vorbelegt ist
wms.pick.viewin den Rollen Umsetzung, Support und Vertrieb — genau die,
die im Tagesgeschäft erklären müssen, warum eine Lieferung unvollständig ist.
- Klärfälle entstehen nicht von Hand, sondern aus der Fehlmengen-Meldung in
Picklisten oder am Scanner.
FAQ & Fehlerbilder
Der Fall lässt sich nicht erneut auflösen. So gewollt. Die Begründung der ersten Auflösung bleibt stehen — sonst wüsste hinterher niemand, was tatsächlich entschieden wurde.
Warum ist das kein Ticket? Weil es am Regal entsteht und nicht in einem Postfach. Braucht der Fall eine Kundenkommunikation, eröffnen Sie daraus ein Ticket — der Klärfall bleibt der Lagerbeleg dazu.
Die Liste ist leer, obwohl eine Lieferung unvollständig war. Dann wurde die Fehlmenge nicht gemeldet, sondern die Position übergangen. Genau das verhindert der Scan-Flow: ein stilles Übergehen gibt es dort nicht.
Ein Fall hat keinen Auftrag. Das kommt bei konsolidierten Sammel-Aufgaben vor — dort steht die Menge für mehrere Aufträge, und die Zuordnung fällt erst am Packtisch.