Picklisten

Überblick
Eine Pickliste ist ein eigener Beleg vor dem Lieferschein. Sie fasst mehrere Aufträge zu einem Gang zusammen — genau das kann ein Lieferschein nicht, denn er gehört immer zu genau einem Auftrag.
Sobald Aufträge auf einer Liste stehen, ist ihr Bestand reserviert; wird ein Auftrag wieder entfernt, wird die Reservierung freigegeben. Ohne das griffen zwei Listen nach derselben Ware, und die zweite Person stünde am leeren Platz.
Der Weg einer Liste: angelegt → in Arbeit → gepickt → am Packtisch → abgeschlossen, dazu abgebrochen. Erst beim Abschließen entstehen Lieferscheine und wird Bestand gebucht.
Kernaufgaben
Liste erzeugen. Zwei Wege: über eine Pickvorlage — dann wählt die Vorlage die Aufträge — oder über eine ausdrückliche Auswahl von Aufträgen. Ein Auftrag, der bereits auf einer offenen Liste liegt, wird abgewiesen.
Vorlage wählen. Die Vorlage ist die gespeicherte Antwort auf „welche Aufträge gehören auf eine Liste". Es gibt sie in sechs Bauarten: eine Liste je Auftrag, Einposter-Run, Mehrauftrags-Liste mit konsolidierten Mengen, zweistufig mit Boxen, rollend „Pick-to-Box" und identische Aufträge gebündelt. Gepflegt werden Vorlagen über die API; eine eigene Oberfläche dafür gibt es noch nicht.
Den Weg laufen. Die Reihenfolge der Aufgaben ist die Wegfolge, nicht die Belegreihenfolge: sortiert wird nach Lagerlayout — Pick-Priorität des Platzes, dann Platzname. Der Gang läuft damit einmal in eine Richtung.
Artikelzustand. Eine Position in B-Ware oder einem anderen Zustand als Neuware wird an einem Platz gegriffen, der genau diesen Zustand hält; die Aufgabe trägt dann ein Kennzeichen des Zustands. Neuware und B-Ware desselben Artikels fasst auch die Mehrauftrags-Liste nicht zusammen, und Ersatzplätze kommen nur aus demselben Zustand.
Greifen. Je Aufgabe wird die tatsächlich gegriffene Menge gemeldet. Beim rollenden Pick ist der Box-Code Pflicht und muss zur Box des Auftrags passen. Bestand wird hier nicht gebucht — die Ware liegt danach im Wagen, nicht beim Kunden.
Fehlmenge melden. Mit Grund: zu wenig da, nichts gefunden, beschädigt, abgelaufen oder bewusst gestrichen. Die bereits gegriffene Menge bleibt stehen, der Rest wird zum Klärfall.
Platzwechsel statt Fehlmenge. Ist der Platz leer, aber die Ware liegt woanders, bekommt die Aufgabe den anderen Platz. Vorschläge liefert das System selbst: Plätze mit verortetem Bestand, Greifplätze vor Reserve, danach in Wegfolge. Bestand bewegt sich dabei nicht — die Aufgabe sagt nur, wo gegriffen wird.
Auftrag entfernen. Der Auftrag kehrt in den Pool zurück — solange für ihn noch nichts gegriffen wurde.
Felder im Detail
Die Spalte Was es bewirkt beantwortet, was sich im System ändert — nicht, wie das Feld heißt. Der graue Name dahinter ist das Feld der API: unter ihm läuft dasselbe über Automation, Import und KI-Werkzeuge.
Kommissionierliste erzeugen
| Feld | Pflicht | Werte / Format | Was es bewirkt |
|---|---|---|---|
Lager warehouseId | ja | bestehendes Lager | Aus welchem Lager entnommen wird. Nur Aufträge, die von dort bedient werden, kommen in Frage. |
Aufträge orderUlids | ja | mehrere Aufträge | Was zusammen kommissioniert wird. Mehrere Aufträge in einer Liste sind der eigentliche Gewinn: der Gang wird einmal gelaufen statt dreimal. |
Vorlage templateUlid | nein | bestehende Vorlage | Wie die Liste gebaut wird — Wegstrategie, Aufteilung nach Zonen, Sortierung der Positionen. Leer heißt: die Standardvorgabe des Lagers. |
Beim Erzeugen wird der Bestand reserviert, nicht schon gebucht. Er verschwindet damit aus dem verfügbaren Bestand, bleibt aber physisch da — gebucht wird erst mit der Entnahme.
Einstellungen & Rechte
- Modul
module.wms. wms.pick.view— Listen und Klärfälle sehen.wms.pick.execute— greifen und Fehlmengen melden.wms.pick.manage— Listen anlegen, umbauen, abbrechen. Wer eine Liste abbricht, gibt Aufträge
frei, die jemand anderes gerade laufen könnte — deshalb ein eigenes Recht.
wms.config.manage— Pickvorlagen pflegen. Eine Vorlage entscheidet, was das Lager den ganzen
Tag tut; das ist Konfiguration, keine Tagesarbeit.
- Greifen und Listen bauen sind in der Standardinstallation keiner Rolle vorbelegt — wer das darf,
ist eine betriebliche Entscheidung.
- Die Wegfolge kommt aus der Pick-Priorität der Lagerplätze, siehe
FAQ & Fehlerbilder
Es entsteht keine Liste. Passen zu wenige Aufträge auf die Vorlage, wird bewusst keine Liste angelegt — eine leere Liste wäre nur Arbeit ohne Inhalt.
Ein Auftrag lässt sich nicht auf die Liste setzen. Er liegt schon auf einer anderen offenen Liste. Zwei Listen auf dieselbe Ware wären ein leerer Platz für die zweite Person.
Der Bestand ändert sich beim Greifen nicht. Richtig so. Gebucht wird erst am Packtisch beim Abschließen — vorher liegt die Ware im Wagen.
Der Auftrag lässt sich nicht mehr entfernen. Dann wurde für ihn bereits gegriffen. Die Ware ist im Wagen; das löst der Klärfall oder das Zurückräumen.
Der Platz ist leer, obwohl Bestand geführt ist. Erst den Platzwechsel probieren. Bleibt es dabei, ist es eine Fehlmenge mit Grund „nichts gefunden" — und damit eine Inventurdifferenz, die jemand entscheiden muss.